Wirtschaftswoche Teltow-Fläming 2017
  Wirtschaftswoche 2017 | Veranstaltung der Stadt Luckenwalde


Birgit Demgensky und Siegmund Trebschuh begrüßen die BesucherSo kann es klappen
Erfahrungsaustausch zur Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer

Unter dem Motto „So kann es klappen“ organisierte die Wirtschaftsförderung der Stadt Luckenwalde im Rahmen der Wirtschaftswoche Teltow-Fläming eine Veranstaltung zum Thema Arbeitsmigration. Birgit Demgensky und Siegmund Trebschuh vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung begrüßten die Besucher zum Erfahrungsaustausch.

Peter Limpächer mit den Zahlen des JobcentersIm Hinblick auf den Fachkräftemangel stellt sich die Frage, wie können Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert werden. Aktuelle Zahlen zur Ist-Situation präsentierte Peter Limpächer vom Jobcenter Teltow-Fläming. Die große Fluchtwelle im Herbst 2015 hatte eine „Massenabfertigung“ zur Folge, was zu einer Steigerung der „erwerbsfähigen Leistungsberechtigten“ (ELB) unter den Flüchtlingen in Teltow-Fläming von 220 im April 2016 auf über 800 im Juni 2017 führte. Seitdem sinkt der Bestand, was als positives Zeichen zu werten ist.
Auffällig sind der hohe Männeranteil von 70,5 % und das jugendliche Alter der Geflüchteten. Mehr als ein Drittel ist jünger als 25 Jahre und der Familiennachzug ist geringer als erwartet. Gestartet wird mit einem Integrationskurs von 600 bis 900 Stunden, nur 30 Prozent schaffen das Sprachniveau B1 im ersten Anlauf. Mit diesem Abschluss kann man sich im Alltag verständigen und in der Regel auch eine Arbeit aufnahmen. Die nächsthöhere Stufe B2 ist allerdings Voraussetzung für eine Aus- oder Weiterbildung.
Blick ins PublikumDerzeit sind 360 Teilnehmer im Kurs, 248 haben ihn bereits absolviert. Auf die häufige Frage „Was ist wichtiger, Arbeit oder Deutsch lernen?“ gibt er die Antwort „Beides!“ Hier seien fließende individuelle Entscheidungen zu treffen. Er empfiehlt in jedem Fall Praktika vor dem Abschluss eines Arbeits- oder Ausbildungsvertrages. Hier gibt es auch Unterstützungsangebote des Jobcenters wie Erprobungsphasen beim Arbeitgeber bis zu sechs Wochen oder Eingliederungszuschüsse zum Ausgleich von geringeren Leistungen.
Unabhängig vom Aufenthaltsstatus darf jeder Flüchtling, der seit mindestens drei Monaten in Deutschland ist, eine Beschäftigung aufnehmen. Für den Arbeitgeber bleibt allerdings das Risiko, wenn ein befristeter Aufenthalt plötzlich endet. Schwierig und langwierig ist die Anerkennung von Bildungsabschlüssen, oft gibt es hier auch keine Deckungsgleichheit mit einem deutschen Berufsbild. Am Oberstufenzentrum holen derzeit 80 Jugendliche die 9. oder 10. Klasse nach, außerdem werden in den nächsten zwei Jahren viele Flüchtlinge den regulären Schulabschluss erwerben. Viele dieser jungen Leute werden dann auf der Suche nach einer Ausbildung sein.

Anke Habelmann, Koordinatorin für Flüchtlingsintegration der Stadt LuckenwaldeAnke Habelmann, Koordinatorin für Flüchtlingsintegration der Stadt Luckenwalde, stellte im Anschluss das Netzwerk vor, das für verschiedene Fragen der Integration in Arbeit mit Ansprechpartnern zur Verfügung steht. Siegrun Sauer leitet die Koordinierungsstelle des Landkreises (unter Regie der GAG Klausdorf mbH), die gleichzeitig Begegnungsstätte für geflüchtete Frauen ist. Sie bereitet momentan das nächste Treffen der Steuerungsgruppe vor. Karsten Stolze vom Diakonischen Werk Teltow-Fläming sieht das gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft und dem Ausbildungsverbund Teltow realisiere „Brandenburg Deine Chance“, als eine Art Lückenprojekt, das einspringt, wenn andere Förderungen nicht greifen.
Speziell für Unternehmen bietet Jurek Hentschel von bea Brandenburg Informationen, Unterstützung und Begleitung an. Diese durch Landesmittel geförderte Tätigkeit geht auch nach der eigentlichen Vermittlung weiter. Er empfiehlt das neue kostenlose und mehrsprachige Online-Bewerbungs-Tool „Jobloq“. Anerkennungsberatungen und Arbeitgeber-Fortbildungen zu interkultureller Kompetenz gibt es über das IQ Netzwerk Brandenburg, hier ist Peter Limpächer Ansprechperson.
Für Arbeitnehmer gibt es weitere Anlaufstellen, so die Migrationsfachberatung bei Anna Wunder vom Diakonischen Werk, speziell für Erwachsene bei Marianne Franke vom Verbandsbereich Fläming-Elster der Volkssolidarität bzw. für Jugendliche bei Anna Löwenherz vom Jugendmigrationsdienst beim Gemeinschaftswerk Niedergörsdorf. Sie bietet außerdem zwei Mal pro Woche Gruppen-Sprachförderung im Luckenwalder Mehrgenerationenhaus an. Darüber hinaus sind auch die Sozialarbeiter in den Übergangsheimen und zahlreiche ehrenamtlich tätige Helfer zum Beispiel als Sprachlehrer oder Alltagsbetreuer in die Migrationsarbeit eingebunden.

Erfahrungen aus den Unternehmen (Knut Padel - Rohwedder)Erfahrungen mit der Ausbildung eines Flüchtlings hat Knut Padel von der Friedrich Rohwedder GmbH sammeln können. Der junge Mann ist jetzt seit zwei Jahren im Unternehmen, hat sich gut eingearbeitet und eine entsprechend große Übernahmechance. Dennoch war es ein Fehler, ihn „Hals über Kopf“ in die Ausbildung zu bringen. Mit Start-Sprachniveau A1 hat er zwar nach einem halben Jahr bei täglich acht Stunden unter deutschen Kollegen „Riesen-Fortschritte“ gemacht, doch viele Fachbegriffe fehlten, so dass er dem Unterricht am Oberstufenzentrum nicht folgen konnte. Nach vielen Kontakten zu den Fachlehren hat er nun die Zwischenprüfung erfolgreich absolviert. Das nächste Mal würde Knut Padel eine Einstiegsqualifizierung voranstellen, was gleichzeitig eine um ein Jahr verlängerte Ausbildungszeit bedeutet.
Erfahrungen aus den Unternehmen (Klaus Reiche - Hesco)Frank Dunker, Leiter des Luckenwalder Bauhofs, ist überzeugt davon, dass jeder der vielen anwesenden Ansprechpartner wenigstens ein bis zwei Personen benennen kann, die für eine bestimmte angefragte Tätigkeit empfohlen werden kann. Berührungsängste müssten aktiv abgebaut und kulturelle Unterschiede ausgeglichen werden. Klaus Reiche von der Hesco Kunststoffverarbeitung GmbH dankte den Organisatoren und meinte, „der Rest liegt an uns“.
Auf die Frage von Janette Petersen von der KIF GmbH Niedergörsdorf, warum bei den Azubi-Vorschlägen von Arbeitsagentur oder Jobcenter keine Ausländer seien, antwortete Peter Limpächer. Von den 884 Klienten wären erst sechs in die Vermittlung übernommen worden, nur sie würden die Anforderungen der Berufsschulen ohne Sonderbehandlung erfüllen. Jenny Manzek von der Volkshochschule Teltow-Fläming würde gern Betriebsbesuche für Flüchtlinge vermitteln und empfiehlt die Nutzung geförderter berufsbegleitender Deutschkurse.

Als Fazit zieht Birgit Demgensky aus der Veranstaltung, dass noch viel zu tun ist. Ihr Wunsch ist es, dass alle Beteiligten „in der Sache gemeinsam weiterkommen“.

Text + Bilder: Gerald Bornschein

 


Kontakt:

Marcel Penquitt
Teamleiter

Landkreis Teltow-Fläming
Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung
Wirtschaftsförderung, Tourismus und Mobilität
Zinnaer Str. 34
14943 Luckenwalde

Tel.: 03371 608-1350
Fax.:03371 608-9010
E-Mail:marcel.penquitt
@teltow-flaeming.de
© 2017 Landkreis Teltow-Fläming   |   Alle Rechte vorbehalten